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Der Hexenprozess von Werdershausen
Historie - Sonstige Begebenheiten und Interessantes

(aus: Materialsammlung zur Stadtgeschichte Gröbzig von Robert Hobusch, dessen Auszüge aus der „Askania“ 1931/32)

 

Hexenprozesse gab es in Deutschland noch bis in das 18. Jahrhundert und viele unschuldige Menschen mussten wegen dieses Aberglaubens ihr Leben lassen. Um die Wende des 18. Jahrhunderts erhob man nicht mehr öffentliche Anklage durch die Kirche oder Staat, man verwies auf den Privatklageweg, wie der Prozess von Werdershausen im Jahre 1707 zeigt:

 

Am 11.05.1707 erschien vor dem Justizamtmann Fochtmann in Werderhausen Daniel Schoch und dessen Ehefrau und zeigten an, dass der Tischler Rauche aus Gröbzig ihnen öffentliche Hexerei nachsagten. Die Eheleute Rauche behaupteten, dass Schochs hexen könnten und von ihnen wohl an die 50 Mal behext worden seien. Zum ersten male sei es geschehen im abgewichenen Winter, als Rauche mit Schoch vor dem adl. Hause in Gröbzig gewachet hätten. Schoch habe ihn mit der Hand auf die Achsel geschlagen und von der Stund an sei es ihm in den Arm gefahren und von da nach dem Leibe, so dass er sich habe mit Arznei behandeln müssen, als er nach Hause gekommen sei, damit es ihm wieder aus den Gliedern gekommen wäre. Als er am Grünen Donnerstag in die Kirche gegangen sei, wäre Schoch hinter ihm hergekommen und habe ihn gleich wieder behext, so dass er fast des Todes gewesen und sich noch habe in der Kirche übergeben müssen. Das nächste Mal, als seine Frau zwei Bund Stroh getragen habe, kam Schoch aus seinem Haus gelaufen und habe sie gefragt, was sie mit dem Stroh machen wolle. Er habe das Stroh behext, denn – als sie das Stroh ins Haus getragen und ihr Kind darauf geleget – fing dies sofort an zu schreien und konnte weder gehen noch stehen. Ihr Mann wollte es auch probieren, denn – als er sich auf das Stroh setzte – kam es ihm in den Rücken, dass er sich nicht regen und bewegen konnte. Erst als er sich mit „Thos“, „Durand“ und Till räucherte, wurde es wieder besser. Auch traue sich Rauchs Frau nicht mehr aus dem Hause, um Wasser zu holen, sofort wurde sie von Schochs behext und zwar so, das ihr alsbald weh wurde und sie sich übergeben müsse. Dann bekäme sie ein Reißen in alle Glieder, dass sie sich nicht regen und bewegen könne. Wenn sie sich nicht durch fleißigen Gebrauch von Arznei helfe, so hätte sie schon längst Todes sterben müssen. Rauches blieben bei ihrer Behauptung und wollten ihre Aussage noch beschwören. Die Eheleute Schoch stritten jede Hexerei ab, Rauches aber blieben bei ihrer Anklage.

 

Am 21.05. erschien Schoch noch einmal vor Gericht und beklagte sich, dass Rauches ihm und mehrere andere Bürger der Hexerei beschuldigen. Nach der Verhandlung am 4.7. erklären sich Rauches bereit, Abbitte zu tun, zum Abendmahl zu gehen und schwören einen heiligen Eid, Schochs nie wieder der Hexerei zu beschuldigen. Sie werden zu einer Gefängnisstrafe zu 8 Tagen verurteilt und zahlen 4 Taler und 15 Groschen Strafe. Am 3. September richtet Rauche ein Schreiben an den Fürsten in Bernburg und beschwert sich über die Behandlung im Gefängnis. Sie hätten während der Haft kein Essen und Trinken erhalten und seien ganz heruntergekommen. Gleichzeitig beschwerte er sich, dass er in Gröbzig keine Freystätte erhalten habe und darum bitte. Bernburg fordert einen Bericht an. Das Justizamt Werdershausen vernahm den Amtsdiener Steinert zur Beschwerde. Dieser erklärte:

 

„ Am Freitag habe ich die Eheleute Rauche eingesperrt, am Montag schon wieder entlassen. Während dieser Zeit sind sie weder gepeinigt noch gemartert worden. Sie haben sich weder was zum Essen noch zum Trinken mitgebracht. Ich habe sie noch Brot und Bier vom Meinem angeboten und auch gefragt, ob ich etwas für sie kaufen solle, sie haben hartnäckig geschwiegen. Wenn sie behaupten, von der Haft, der Marter oder Peinigung todkrank geworden zu sein, könne das nicht stimmen.“ Sie waren es schon vorher gewesen, da sie in ihrem Hause weder Kammer noch Stube hätten, sondern sie lebten in einem großen Loche in der Erde, wie „ Hambsters und Mäuse“. Es wunderte ihn, dass sie nicht schon längst des Todes gestorben wären. Wenn er etwas an Rauches zu bestellen hätte, dann kämen sie wie wilde Leute heraus und stellten sich vor die Haustür. Sobald er wieder ginge, machten sie die Tür dicht und fest. Sie hätten während der Haft keinen Hunger und Durst gelitten. Wahrscheinlich hätten sie auch nichts in ihrer Wohnung gehabt.

 

Mit Schreiben vom 25. September 1707 wurde Rauches die Geldzahlung erlassen und ihnen eine Freystätte zugesichert. Hierauf beschwerte Rauche sich nochmals, dass ihm der Justizamtmann, als er ihm wegen einer Freystätte gesprochen habe, erklärt habe, er solle sich packen und angeben, was er für sein Haus haben wolle und sollte er keine Freystätte genießen. Fochtmann, dem dann die Beschwerde zu Äußerung übersandt wurde, erklärte, dass Rauche am 13. September 1700 laut Kaufbrief eine Freystätte erhalten habe. Von verschiedenen Leuten habe er sich Geld geborgt und habe dann der Schulden halber das Haus am 8. März 1707 an Andreas Ulrich verkauft.

 

Der Hauptmann von Werder in Gröbzig habe ihm aber eine neue Freystätte abgelehnt, da das Justizamt Werdershausen zuständig sei. Er habe ihm sodann eine Korn-, Grummt-, Mohrrüben- und Kraut-Kabel überlassen. Rauch wurde darauf mit Schreiben vom 8. November 1707 abgewiesen.

 


 

 

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