BERICHTE
Werdershausen -
das grüne Dorf an der Fuhne. Berichte, Kommentare und Veröffentlichungen zu und aus unserem Dorf.
mehr...



TERMINE
Veranstaltungen und Termine der Vereine, Feste im Dorf und Veranstaltungen im Überblick.
mehr...



VEREINE
Werdershausen hat ein sehr aktives Vereins-leben. Zu allen Vereinen finden Sie weitere Informationen.
mehr...



HISTORIE
Über die Geschichte unseres Dorfes in den letzten Jahrhunderten können Sie unserer Chronik nachlesen.
mehr...



BILDER
Unser Dorf im Bild. Ereignisse, Feste und historische Bild-dokumente finden Sie in unserer Bildergalerie.
mehr...



NEWSLETTER
In unregelmäßigen Abständen verschicken wir die neuesten Berichte und aktuelle Informationen in unserem Newsletter.
mehr...

Die literarische Bedeutung des Diederich von dem Werder
Historie - Diederich von dem Werder

Diederich v. d. Werder genoss großen literarischen Ruhm, der bis heute noch nicht verblasst ist. In all seinen Büchern und Schriften war er bemüht, die höchsten Ziele der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ durchzusetzen: ein möglichst reines Deutsch zu schreiben und Fremdwörter „tunlichst“ zu vermeiden.
Er behandelte die deutsche Sprache nicht nur mit Sauberkeit, er bereicherte sie auch mit einigen sehr glücklichen Neubildungen, die sich heute im deutschen Sprachgut finden lassen.
(siehe Serimunt. 9. Jahrgang, Folge 17, 1934 – Stadtarchiv Köthen)
Seine bekanntesten Schriften sind u. a.:

Die Übersetzungen von Tassos Epos
„Gottfried oder Das erlösete Jerusalem“ 1626
„Hunderte Klinggedichte vom Krieg und Sieg Christi“ 1633
 

Ariosts
„Historia vom rasenden Roland“ 1636
„Friedensrede“ 1639
„Vierundzwanzig Trost- und Freudengesänge“ 1653

 

Die besten Schöpfungen Werders war die des „Rasenden Rolands“, deren größere Verbreitung leider durch den 30-jährigen Krieg verhindert wurde.
Als bekanntestes Muster seines Prosastils jener Zeit gilt die 1639 verfasste Friedensrede.
 

Sein Sohn Paris trug sie im gleichen Jahr als „wohlgestalteter Fünfzehnjähriger Edler Knabe“ an den anhaltischen Höfen in Gegenwart fürstlicher und adliger Personen – mit sehr viel Beifall – vor. Er wurde deshalb von Fürst Ludwig mit dem Beinamen „Der Friedfertige“ in der Fruchtbringenden Gesellschaft aufgenommen. Da diese Rede auch bis heute nichts an Aktualität verloren hat und besonders der historische Wert dieses Appells an die damaligen Herrscher zu beachten ist, wird sie hier in vereinfachter und verständlicherer Schreib- und Ausdruckweise als im Original wiedergegeben:
 


„Der Frieden, als Brunnquell aller Glückseligkeit, kann den unsinnigen
Deutschen nicht zürnen – nur für sie weinen.
Die, obgleich vernunftbegabt, werden vom Vieh, den Kranichen, den Störchen,
von den Bienen und Ameisen einträchtiger Polizei, beschämt.
Auch die Bäume – sonst fühllos – lieben den Frieden.
Die Ulme umfängt den Weinstock, selbst die Steine wie ein Magnet, fügen sich
dem Gesetz der Freundschaft.
Selbst die höllischen Geister schützen einander durch ihr starkes Bündnis.
Die Deutschen sind Christen.
Aber in Städten und Flecken, an Fürstenhäusern und auf Rathäusern, in
Kirchen und Schulen herrscht Zank und Uneinigkeit.
Der Frieden – nach einer Zufluchtstätte umherirrend – findet bei den Fürsten nur
heimliche Panik und Vorstellung.
Flieht er zu den Gelehrten, so streitet Schule mit Schule; sie erhitzen sich
erbost über etwas, das nicht eines Kohlblattes wert ist.
Die rittermäßigen Leute morden sich auch in Friedenszeit und suchen Ruhm in mörderischem Zweikampf.
Die Diener Gottes Wortes gehen ehrbar und einträchtig gekleidet, treten
sittsam auf, nennen sich Brüder, begegnen einander mit dem Gruß des
Friedens. Sie fangen die Predigt mit dem Frieden an und schließen mit ihm.
Aber – wo ist mehr Hader und Zank, mehr Hass und Neid als bei den
Geistlichen?
Geschweige der Glaubensmisshelligkeiten, die man in einer Stadt unter drei
oder vier Predigern findet, die nicht Schriften gegeneinander ausgehen lassen,
als ob der Satan die giftige Feder mit der höllischen Tinte führe.
Christliche Stadthalter, Kardinäle, Erzbischöfe und Prälaten werben selbst
Kriegsheere und führen Schlachtordnungen als Würger aus.
Christen nennen sich alle und vernehmen die Predigt dessen, der da sagt:
„Friede sei mit euch!“
Aber statt mit den Lastern zu kriegen, macht ihr mit ihnen und mit den Türken
Friede.
Katholische kämpfen mit Katholiken, Evangelische mit Evangelischen,
Reformierte mit Reformierten.
Nicht der unverständliche Pöbel, nicht unerfahrene Jünglinge – der Same des
Krieges entsteht hauptsächlich durch Regierer und Berater der Völker, nur
um bloßen Titel, Würde und Hoheit wegen sowie aus Ländergier und
teuflischen Anschlägen.
Allen gottlosen Taten wird der gottseligste Titel angeklebt; es heißt, es gälte
der Fortpflanzung des Reichen Christi, die Religion so zu handhaben.
Eure Lehrer betrügen Euch Ihr Fürsten, die da predigen, Blut zu vergießen.
Auch die Räte und Schriftsteller, sowie Verfasser von Schriften sind nicht
Friedensstifter sondern Lärmbläser.
Ich frage nicht, ob ein Teil Fug (Recht) habe, ohne Befleckung des Gewissens
den Krieg auf Kosten der Völker – der unschuldigen – so lange Jahre
fortzusetzen?
Keine Sache kann so gerecht sein, dass der Unschuldige über seinen Willen
darunter leiden müsse.
Die Armen sind es, nicht die Waffenleute, welche den Krieg mit ihrem Blut
entgelten.
Zwar führt Ihr Fürsten eifrig im Munde, Ihr begehrt nichts lieber als den Frieden,
aber jeder will ihn nur nach seiner Bequemlichkeit: ihm selbst zu Ehre, Rache
und zum Gewinn, dem Gegner zum Schimpf und zum Schande.

 

Was werdet Ihr dem großen Richter einst antworten, weshalb Ihr das Blut von
Millionen vergossen und zehnmal mehr in das erbärmlichste Elend
gestürzt habt?
Eure königliche Reputation, Eurer Krone Hoheit, Eures Hauses Nutzen werdet
Ihr vorgeben!
`Deine kahle vermaledeite Würde, ein Fußbreit Landes und eine Handvoll Erde
höher zu achten, als die Wohlfahrt Deines anvertrauten Volkes!
Sind doch alle irdischen Güter zusammen nicht so hoch in meinen Augen als
eines einzelnen Menschen Heil und Leben! Und Du kommst mir mit Deiner
Ehre, mit Deiner Hoheit, mit Deiner Reputation angezogen? ´
Gott wird Euch sagen: ´ Ihr Häupter, Ihr Könige, Ihr Fürsten der Christenheit,
Ihr seid schuldig, Euer Blut zu vergießen!
Der Christen Wohl zu fördern, solltet Ihr Friede und Ruhe wieder unter sie
pflanzen.
Wer das unter Euch täte, der hätte einen wahrhaften, von mir und den Engeln
und allen Menschen höchst gepriesenen Ruhm erlangt!´

 

Der junge Redner schloss dann:
Über Euch, Anwesende, soll der Frieden kommen.
Unter allen Stürmen soll er über Euren Häuptern schweben.
Friede an Eurem Tische, Friede auf Eurem Lager, Friede auf Eurem Felde,
Friede in Eurem Walde.
Friede soll sein in Eurem Gemüt, Friede in Eurem Herzen – und der Gott des
Friedens wird Euch mit dem ewigen Frieden befriedigen.“
 

„Friedensrede, fürgebracht und abgelegt durch Paris vom dem Werder, einem wohlgestalteten fünfzehnjährigen Edlen Knaben, im Jahre des großen Friede – Fürsten Jesu Christi 1640 . 4 to:“

 


 

 

VERANSTALTUNGEN